Eine Geschichte,
wie Schule auch sein kann


Gesamtüberblick

von Veronika Müller Mäder am 31. August 2020
  • Übersicht

Dieser Beitrag gibt eine Gesamtübersicht über das in all den Jahren Gewachsene (1992 – 2020).

Kurzportrait
Philosophie
Pädagogische Schwerpunkte
Rahmenbedingungen
Bildungsangebot (Basisstufe unterwegs, Primarstufe, Sekundarstufe 1, Brütwerk)
Schweizer Schulpreis
Auszeichnungen

Viel Freude und Inspiration beim Durchstöbern.

 

Bildungsinitiativen, die in der Schweiz neue Wege einschlagen und sich mit einem eigenen Profil positionieren, werden vom Staat in der Liste von Privatschulen geführt.
Die Scuola Vivante hat sich mit ihrem Bildungsangebot in all den 28 Jahren immer als öffentliche Schule verstanden; eine Schule, die mit starker Innovationskraft und einem in die Zukunft gerichteten Blick im Zusammenspiel von Team, Schülerschaft, Schulleitung, Eltern und freien Mitarbeitern das eigene Konzept gestaltete – oftmals auch unkonventionell – und sich fortlaufend weiterentwickelte.

Als UNESCO-assoziierte Schule (ASPnet) verpflichtete sich die Scuola Vivante zu deren Werten und setzt sich für die Umsetzung der Ziele der Agenda 2030 ein. Die Scuola Vivante förderte das Bewusstsein sich als mitfühlender Teil des Ganzen wahrzunehmen und den Mut sich für die Entwicklung der Welt zu engagieren. Es ist der Schule gelungen ein Konzept umzusetzen, das den an klassischen Fächer- und Stundentakt orientierten Unterricht auflöste und ihn überführte in ein System des sinnorientierten und vernetzten Denkens und Arbeitens. Die Kinder und Jugendlichen wurden aktiv in ihren persönlichen Lern- und Leistungsprozess miteinbezogen.

 

Kurzportrait

Die Scuola Vivante war eine zukunftsgerichtete, staatlich bewilligte und anerkannte  Bildungsinitiative mit privater Trägerschaft. Ihr Standort war Buchs SG.  Sie umfasste eine Schule, eine Tüftelwerkstatt sowie Kursangebote für Kinder, Jugendliche und Erwachsene.

Ziel der Scuola Vivante war es, den Kindern zu helfen, starke mutige Menschen zu werden, mit viel Lebensfreude in sich, einer guten Naturverbundenheit und einem gesunden Vertrauen in die Welt und in sich selbst.

Die Scuola Vivante unterstützte die Menschen darin, «zu werden, wer man im Grunde seines Wesens ist». Sie bot den Kindern und Jugendlichen Raum, ihre Talente zu entdecken, ihre Fähigkeiten zu bilden, ihre Fertigkeiten zu erproben und so als gereifte und mutige Persönlichkeiten ihr Leben und die Welt zu gestalten. Ein Schwerpunkt der Ausbildung lag in der Persönlichkeitsbildung und der Förderung des persönlichen Ausdrucks.

Die Scuola Vivante richtete sich an Kinder und Jugendliche von vier bis sechzehn Jahren, die auch spezielle Begabungen und ausserordentliche Berufswünsche mitbringen können.

Die Schule umfasste drei Lerngruppen (Basis- und Primarstufe sowie Sekundarstufe 1) mit je zehn bis vierzehn Schülerinnen. Die altersdurchmischten Gruppen ermöglichten die individuelle und spezifische Förderung von Begabungen sowie stufen- und klassenübergreifendes Lernen.
Neben der Hauptunterrichtssprache Deutsch waren die Schüler aller Altersstufen durch das internationale Team auf authentische Weise im täglichen Kontakt mit Französisch und Englisch. Die Freude an der Sprachenvielfalt wurde über Immersion, Begegnungen, kulturelle Projekte und Bildungsreisen gelebt und gefördert.

Die Tüftelwerkstatt „Brütwerk“ und die „fit“-Kurse mit dem Jugend Technikum an der NTB boten zusätzlich einer breiten Gruppe von interessierten Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit, in der Freizeit ihre eigenen Projekte zu verwirklichen und sich in gestalterischen, naturwissenschaftlichen und technischen Themen weiterzubilden.

Es war ein zentrales Anliegen der Scuola Vivante, sich für die Vielfalt des Lebens einzusetzen, eine gerechte Welt, den Dialog der verschiedenen Kulturen und den sorgsamen Umgang mit der Erde. Seit April 2010 gehörte die Scuola Vivante dem weltweiten Netzwerk der Unesco-assoziierten Schulen an. 2013 wurde die Scuola Vivante vom Schweizer Schulpreis mit dem Sonderpreis „Nischenschule“ ausgezeichnet.

Rechtliche und finanzielle Trägerschaft war der politisch und konfessionell unabhängige Verein Scuola Vivante.

Leitbild Scuola Vivante (PDF)

 

Philosophie

 

Bildungsziel
Die Scuola Vivante unterstützte die Menschen darin, «zu werden, wer man im Grunde seines Wesens ist». Sie bot den Kindern und Jugendlichen Raum, ihre Talente zu entdecken, ihre Fähigkeiten zu bilden, ihre Fertigkeiten zu erproben und so als gereifte und mutige Persönlichkeiten ihr Leben und die Welt zu gestalten.

Menschenbild
In jedem Menschen ist ein gesunder Kern angelegt, der sich entfalten möchte, der bestrebt ist, sich ständig positiv weiterzuentwickeln, und zu einem gelingenden und sinnerfüllten Leben führen will. Unsere pädagogische Arbeit setzte bei dieser inneren Kraftquelle des Menschen an.

Wesensförderung
Der Leitsatz der Schule bezieht die Vielfalt der möglichen Lebensentwürfe mit ein. Wir unterstützten die Schüler darin, ihrer inneren Kraft zu vertrauen, das in ihnen liegende Potenzial auszuschöpfen und den eigenen Weg zu gehen. Wir förderten das Bewusstsein, sich als mitfühlender Teil des Ganzen wahrzunehmen.

Wertehaltung
Team und Schüler gestalteten zusammen ein Schulklima, in dem Entfaltung, Weiterentwicklung und somit Lernen möglich ist. Gegenseitige Wertschätzung, Respekt und Offenheit sind Voraussetzungen dafür. Wir setzten uns ein für die Vielfalt des Lebens, für eine gerechte Welt, für Dialog und demokratische Werte sowie für den sorgsamen Umgang mit der Erde und mit sich selbst.

 

Pädagogische Schwerpunkte

Es war der Scuola Vivante wichtig – als Grundlage jeder persönlichen Entwicklung – die Berührung mit der Welt ins Zentrum zu rücken. So geschieht das Lernen über alle Sinne und die Schüler sind gefordert, sich mit dem ganzen Facettenreichtum, der ihnen in die Wiege gelegt wurde, zu entwickeln. Bildungsreisen waren fester Bestandteil der Schule.

Lernen und Leistung muss immer an Sinnorientierung und Erfahrung geknüpft werden, damit nachhaltige und vertiefte Bildung stattfindet, die die Menschen als Ganzes fördert. Die Scuola Vivante hat dazu neue Gefässe und Strukturen entwickelt, die es den Kindern ermöglichen, ihrem inneren Lehrplan zu folgen und dabei an ihren Stärken und Talenten anzuknüpfen. Die Förderung der Kreativität auf allen Ebenen war wichtiges Element im Schulleben.

Die Scuola Vivante ermutigte die SchülerInnen ihr Bestes zu geben – Erfolg und Misserfolg waren dadurch ständige Wegbegleiter des Schulalltages. Selbstwirksamkeit und Resilienz wachsen mit jeder Hürde, die die Kinder überwinden können, mit jedem Projekt, das sie eigenständig erarbeitet haben und mit jedem Problem, das sie selber lösen konnten. Dieser ganzheitliche Ansatz förderte neben der kognitiven Entwicklung auch die Entfaltung der emotionalen Kompetenz – Grundlage für einen zufriedenen und erfolgreichen Lebens- und Berufsweg.

Eine Schulkultur in respektvollem und sorgsamem Umgang – mit der Welt und mit sich selbst – sind Voraussetzung für erfolgreiches Lernen.

Die Schule verfügte über ein multikulturelles Team. Dadurch bereicherten mehrere Sprachen und Kulturen den Schulalltag.

Die Schule bezog die SchülerInnen an den eigens initiierten und vielfältigen Projekten zur Umsetzung der Ziele der Agenda 2030 mit ein und liess sie erfahren, dass persönliches Lernen und die aktive Gestaltung unserer Welt Hand in Hand gehen.

Die Scuola Vivante verband die Ziele des Lehrplans 21 mit dem von jedem Kind individuellen, eigenen Lehrplan und unterstützte sie dabei, zu werden, wer sie im Grunde ihres Wesens sind.

Leitbild Scuola Vivante (PDF)

 

Als Mitglied der UNESCO-assoziierten Schulen stellten wir uns hinter deren Zielsetzungen:

«Die assoziierten Schulen engagieren sich für eine Kultur des Friedens, für die internationale Verständigung zwischen Völkern und Kulturen, den Zugang zum Wissen für alle, eine nachhaltige Entwicklung und für die Einhaltung der Menschenrechte. Die assoziierten Schulen beziehen sich auf die vier grossen Pfeiler der Erziehung: lernen, zu wissen; lernen zu handeln; lernen, zusammen zu leben, und lernen, zu sein.»

 

 

Rahmenbedingungen

Lerngruppen
Die Scuola Vivante unterrichtete ihre Schüler in altersdurchmischten Lerngruppen in Basis-, Primar- und Sekundarstufe.
Eine Lerngruppe umfasste drei Jahrgangsklassen. Die durchmischte Lerngruppe ermöglicht altersübergreifendes Lernen. Eine Lerngruppe bestand aus maximal vierzehn Schülerinnen.
Um die Kinder und Jugendlichen individuell und spezifisch in ihren Begabungen und Interessen fördern zu können, verfügte die Scuola Vivante über eine grosszügige Pensenregelung.

Lehrpersonenteam
Die Schüler wurden von einem breit ausgebildeten, internationalen Team unterrichtet. Die Lehrpersonen nahmen unterschiedliche Rollen ein. Neben der bekannten und wichtigen Rolle des Lehrenden oder des Stoffvermittlers stand jene des Coachs und Lernbegleiters. Der Klassenlehrer war Ansprechperson für Jugendliche und Eltern und koordinierte Zusammenarbeit und Zielsetzungen. Die Lehrpersonen stellten ihre Ressourcen allen Lerngruppen zur Verfügung. Die verschiedenen Lernräume waren offen und durchlässig. Diese Zusammenarbeit optimierte die individuelle Begleitung und Förderung der Schüler – von der Basisstufe bis zum Schulaustritt.

Anschluss an weiterführende Schulen
Die Schülerinnen der Scuola Vivante schlugen verschiedenste Berufswege ein: Gymnasium, Berufslehre, Anschlussschulen im Kunstbereich, Fachmittelschulen. Sie können sich im Wissen um ihre Fähigkeiten und Schwächen selbstsicher in der Berufswelt und an weiterführenden Schulen bewegen. Die Übertritte wurden gezielt vorbereitet.

Zeugnis und Leistungsbeurteilung
Der Schüler erhielt regelmässig transparente und breit abgestützte Rückmeldungen über seinen Lernfortschritt. Seine Leistung wurde in Gesprächen zwischen Eltern und Lehrperson und Ende Schuljahr in einem schriftlichen Bericht beurteilt. Halbjährlich legten die Schülerinnen in eigenen Worten und Bildern Zeugnis über ihre Arbeit ab, sie erstellen sich ihr eigenes Portfolio. Noten fielen weg.
Für Bewerbungsschreiben und Übertritte an weiterführende Schulen erhielten die Schulabgänger ein schriftliches Zeugnis. Die Leistungsbeurteilung entstand auf der Basis der drei überfachlichen Kompetenzbereiche des Lehrplans21: Personale Kompetenz, Soziale Kompetenz und Methodische Kompetenz.

Eltern
Das Lehrerteam und die Schulleitung pflegten den Kontakt mit den Eltern.
Der Elternabend zu Semesterbeginn gabt Einblick in die Schulplanung und Zielsetzungen. Die Webseite und regelmässige Mails informierten über laufende Aktivitäten.
Das Team freute sich – und es war eine Bereicherung -, wenn Eltern ihre Erfahrungen und ihr Können projektmässig in die Schule einfliessen liessen.
Die Schulzeit des Kindes wurde durch eine Bildungsvereinbarung und einen Unterrichtsvertrag geregelt.

Schulraum
Mit dem ehemaligen Fabrikgebäude „Rietli“ an der Bühlstrasse 17 in Buchs SG verfügte die Scuola Vivante über grosszügige Raumverhältnisse für die familiäre Schule und die öffentlichen Kursangebote. Die Räume waren sonnig, ansprechend und hell. Der Geist konnte sich entfalten, der Körper bewegen, die Sinne waren angeregt, es boten sich Flächen zur Gestaltung und Platz für Rückzug oder Begegnung.
Das Schulgebäude lag inmitten von Grün. Die Ruhe und die Farben der Umgebung beruhigten und inspirierten. Die Natur lud zu Erkundungstouren ein und eröffnete vielfältige Lern- und Erfahrungsfelder. Das Aufwertungsprojekt Rietli, das gemeinsam mit den Schülerinnenund dem Team umgesetzt wurde, wurde zum umfassenden „Biolabor“.

Mittagstisch und Znüni
Es wurde ein Mittagstisch angeboten. Die Schule stellte täglich einen Znüni zur Verfügung. Es wurde auf eine gesunde und ausgewogene Ernährung geachtet.

Schulgeld
Da die öffentliche Hand ausschliesslich die staatlichen Schulen unterstützten, musste die Scuola Vivante ein Schulgeld erheben. Geschwisterrabatt und Schulgeldreduktion waren auf Anfrage möglich.

Trägerschaft
Die Scuola hat in den 1990er Jahren als unabhängige Schule ihren Schulbetrieb aufgenommen. In einem steten Zusammenspiel von Team, SchülerInnen und Eltern hat sich die Schule fortlaufend entwickelt. Die Trägerschaft der Schule war der gemeinnützige, politisch und konfessionell unabhängige Verein Scuola Vivante.

Schulkultur
Eine gute Schulkultur mit einem respektvollen und sorgsamen Umgang ist eine der Hauptbedingungen für erfolgreiches Lernen. Ein persönlicher Arbeitsplatz und der Sprechstab gaben dem Schüler Raum für Rückzug und Privatsphäre einerseits und aktive Mitgestaltung des Schulalltags andererseits. Die Schülerinnen wurden durch die Ausbildung von kommunikativen Kompetenzen und Mediationstechniken zu einer gewaltfreien Konflikt- und Versöhnungskultur herangeführt.

Jahresthema
Die Scuola Vivante arbeitete mit einem Jahresthema. Das Jahresthema bildete den Rahmen für die Jahresplanung. Es bot die Möglichkeit zu vernetztem Unterricht. Es war der rote Faden, der durch das Schuljahr führte. Die Auswahl aus der Vielfalt der Stoffinhalte wurde dadurch sinnvoll strukturiert und ermöglichte nachhaltiges und vertieftes Lernen.

Begegnung mit der Welt
Das Lernen ausserhalb der Schulräume war fester Bestandteil des Curriculums. Der Schulwagen der Basisstufe unterwegs stand in verschiedenen Lernumgebungen. In der Primarstufe und der Sekundarstufe 1 wurde donnerstags der Tag gemeinsam im Freien gestaltet. Geschichtliche, geografische und kulturelle Lernorte wurden aufgesucht. Menschen mit speziellen (Berufs-)Erfahrungen luden wir in die Schule ein. Regelmässige Bildungsreisen führten die Schülerinnen auch über die Landesgrenze in neue Sprach- und Kulturregionen.
Diese Begegnungen mit der Welt öffneten neue Horizonte, schärften den Weitblick. Sie gaben Raum zur Förderung des Weltwissens. Sie führten auf natürliche Weise in die Berufswahl.

Bildungsangebot

Basisstufe unterwegs

erleben – empfinden – erkennen

Mit der „Basisstufe unterwegs schaffte die Scuola Vivante eine Schulform, die die Kinder dieser Altersgruppe optimal in ihrem natürlichen Lern- und Leistungsbedürfnis weiterfördert.

Die Basisstufe umfasst die ersten vier Schuljahre eines Kindes. Die Zeit von ca. vier bis acht Jahren. In dieser Zeit sind die Kinder voller Bewegungsdrang und Entdeckungsfreude. Sie lieben es ins Spiel einzutauchen und ihrer Neugierde zu folgen. Es ist die Zeit, in der sich das Kind immer mehr nach aussen öffnet, anfängt die Welt zu entdecken und zunehmend seine Begabungen und Interessen bewusst entdeckt.

Die Basisstufe war oft unterwegs. Sie bewegte sich mehrheitlich Draussen. Im Garten, im Wald oder in Feld und Wiese. Kinder und Lehrpersonen liessen sich von der Welt berühren und inspirieren. Auf den Erkundungstouren gibt es überall etwas zu entdecken. Käfer, duftende Pflanzen, seltene Blattformen, glitzernde Steine… In jedem Stein steckt eine Geschichte, wenn wir dem kleinen Fluss genau zuhören, lernen wir einiges über das Leben oder die Bienen summen uns eine lustige Melodie ins Ohr.

In der Basisstufe lernen die Kinder mit allen Sinnen. Sie tauchen ein in ihre Umgebung. Das Lernen ist unmittelbar und aus dem Moment heraus. So eignen sie sich wichtiges Basiswissen an. Ihre Fragen greift die Lehrperson auf und gemeinsam machen sie sich auf den Weg, die Antworten zu finden.

Welche Pflanzen sind giftig? Welches Blatt gehört zu welchem Baum? Wann gefriert das Wasser? Zu welchem Tier gehört welche Spur?

Die Natur bietet uns Mathematik, Biologie, Geografie, Sozialkunde, Sprachwissenschaft und noch vieles mehr. Leben, entdecken und lernen fliessen bei dieser Unterrichtsform Hand in Hand.

Das Zuhause der Basisstufe unterwegs war ein liebevoll und praktisch eingerichteter Forstwagen, der an den jeweiligen Lernort gefahren wird und dort einige Wochen bleibt. Das Schulzimmer der Basisstufe war die Welt. Der Wagen bot Schutz und Wärme nach den Erkundungstouren. Die wechselnde Umgebung regt zu vielfältigem Lernen an. Die täglichen grossen und kleinen Abenteuer machen beweglich, selbstsicher und widerstandsfähig.

Während der Wintermonate lernten die Basisstufenkinder meist im und um das Schulhaus. Sie kamen in Kontakt mit Primar- und Sekundarstufe, gewannen dadurch neue (Lern-)Vorbilder und nutzten das Brütwerk für die Entfaltung ihres künstlerischen und handwerklichen Ausdrucks.

Stufenziele der Basisstufe

Bis zum Ende der Basisstufenzeit hat ein Kind in der Scuola Vivante gelernt, praktische Aufgaben des Alltags zu lösen. Sei dies, ein Feuer zu entfachen, ein einfaches Essen zuzubereiten, einen Einkauf zu tätigen, mit Geld umzugehen oder einen Streit zu schlichten. Es hat seine Beweglichkeit und Geschicklichkeit entwickelt, so dass es ohne Probleme über die Steine eines Bachbetts balancieren, über einen Zaun klettern oder Pfeil und Bogen schnitzen kann.

In der Basisstufe hat das Kind viel über die Welt gelernt. Es kann verschiedene Ausdrucksformen von Pflanzen, Tieren und Mitmenschen verstehen. Es erkennt verschiedene Tiere an seinen Spuren und weiss Namen und Geschmack wichtiger Blumen, Heilkräuter und Bäume. Ob achtsam im Verkehr, wertschätzend in der Natur, mutig-wild im Räuberspiel, liebevoll mit Tieren oder gesittet im Theater – es kann sich in ganz unterschiedlichen Umgebungen angemessen verhalten.

Ein Basisstufen Kind hat Gesetzmässigkeiten von Wasser, Luft und anderen Stoffen erlebt und sich mit ihnen beschäftigt. Es hat sie erfahren mit allen Sinnen. Am Ende der Basisstufe (Ende der zweiten Klasse) rechnet es sicher bis hundert und hat das Selbstvertrauen, sich im Millionenraum zu bewegen. Es kann lesen, schreiben, sich in seiner Muttersprache ausdrücken sowie persönliche Gedanken zu Papier bringen. Es kennt verschiedene Lieder und ist mit der Musik vertraut. Erste Kontakte mit den Fremdsprachen Englisch und Französisch sind geknüpft. Diese werden auf natürliche Weise in den Schulalltag eingebunden.

Bis zum Ende der Basisstufenzeit hat das Kind seine individuelle Persönlichkeit ein Stück weit entdeckt und weiterentwickelt. Es ist fähig, sich sowohl in eine Gruppe einzubringen als auch allein in ein Thema zu vertiefen. Es kann anderen respektvoll begegnen, ausgelassen lachen und spielen, Regeln einhalten, den Schulalltag mitgestalten, seine Befindlichkeit in Worten, Liedern, im Tanz und in Bildern ausdrücken. Und noch vieles mehr.

Primarstufe

lebensbezogen – schöpferisch – mutig

Die Primarstufe der Scuola Vivante umfasste die dritte bis sechste Klasse, also ungefähr die Zeit vom achten bis zum zwölften Lebensjahr.

Das Primarschulalter ist die Zeit der Abenteuerlust und Entdeckerfreude. Kinder in dieser Altersspanne entwickeln die Fähigkeit, sich um die Mitmenschen zu kümmern, das soziale Empfinden wächst. Die Scuola Vivante nahm diese natürliche Motivation der Kinder dieser Altersstufe auf und baute mit einem vielseitigen, gemeinsam gestalteten Fächerplan an dieser Lernfreude und diesem Interesse weiter.

Im Zentrum der Primarschulzeit in der Scuola Vivante stand das Entdecken und Entwickeln der eigenen Begabungen und die Entfaltung der Persönlichkeit. Die Schülerinnen und Schüler konnten sich aktiv in die Gestaltung des Schulalltags einbringen. Sie planten das Programm der Tage im Freien, brachten Ideen und Wünsche für neue Kurse ein und arbeiteten an ihren persönlichen Zielen und eigenen Projekten.

Die Primarstufe war oft unterwegs in der Welt. Die naturnahe Lage des Schulhauses bot die Möglichkeit den Biologieunterricht in direkter Begegnung zu erfahren; Sterne und Mond wurden beobachtet, Pflanzen bestimmt, die Wasserqualität untersucht.
Das Rheintal in seiner Vielfalt wurde erkundet, Bachverbauungen vermessen, geschichtliche Orte und Museen besucht, Grenzen überschritten, Berggipfel bestiegen; der Horizont erweitert. Die Vernetzung der verschiedenen Unterrichtsfächer führt zu nachhaltigem Lernen.

Die Schülerinnen und Schüler waren in regelmässigem Kontakt mit verschiedenen Fremdsprachen. Den Schwerpunkt bildeten Französisch und Englisch. Erste Bildungsreisen und Konzertauftritte fanden ihren Platz im Curriculum und beinhalteten eine umfassende Bildung. Die regelmässige körperliche Bewegung bringt Zufriedenheit und Ausgeglichenheit. Der Geist ist rege. Die hohe Leistungsbereitschaft der Kinder dieser Stufe ist Ausdruck davon.

Stufenziele der Primarstufe

Primarstufenkinder der Scuola Vivante können am Ende ihrer Schulzeit eine Unterrichtsstunde gestalten und anleiten, ihre Schwächen und Stärken bezeichnen, mit einer französischsprachigen und einer englischsprachigen Person ein einfaches Gespräch führen. Sie können vor einer Gruppe von Menschen stehen und ihre Ansicht vertreten, einen Vortrag halten oder ein Lied singen. Sie haben Freude an mathematischen Fragestellungen. Sie denken und handeln gerne und übernehmen Verantwortung für das eigene Lernen sowie für das Gruppenwohl.  Sie vermögen mit wenig Hilfe ein Menü für ihre Lerngruppe zu planen und zu kochen – vom Rezept über Einkauf und Kochen bis zur Ordnung danach.

Sie sind lebensfroh, haben erste Kontakte zur Berufswelt geknüpft und verfügen über ein grosses Allgemeinwissen. Sie freuen sich auf den Übertritt in die Oberstufe.

Kodex Scuola Vivante (PDF)

Der Kurzfilm gewinnt beim Eduki Wettbewerb „Stell dir die Schweiz von morgen vor“  den Preis der Jury.

Eduki Wettbewerb Eingabetext 2016: Wasser für alle (PDF)

 

Sekundarstufe 1

chercher – regarder – trouver

Die Sekundarstufe 1 der Scuola Vivante umfasste die letzten drei Jahre der Schulpflicht sowie ein integriertes 10. Schuljahr, also die Zeit von ca. zwölf bis sechzehn Jahren. Es ist die gezielte Vorbereitung auf das Erwerbsleben. Der Körper verändert sich, der kritische Geist erwacht. Normen werden in Frage gestellt und kindliche Vorlieben über Bord geworfen.

Die Scuola Vivante gab den Jugendlichen den Raum, sich den neuen Fragen dieses Lebensabschnittes zu stellen und die eigene Ausrichtung zu finden. Der Schritt in den Berufsalltag wurde eingeübt, an der Persönlichkeit geschliffen, die eigenen Fähigkeiten wurden erprobt. Grosses Gewicht erhielt dabei die Förderung des persönlichen Ausdrucks über Sprache, Gesang, Kunst und Körper.

Die Jugendlichen lernten in jenem Leistungsniveau, das ihren Fähigkeiten entsprach. Sie wurden individuell auf Berufsweg und Übertrittsprüfungen vorbereitet. Schülerinnen und Schüler konnten auch spezielle Begabungen und ausserordentliche Berufswünsche mitbringen, die im herkömmlichen Schulsystem nicht gefördert werden. Die Jugendlichen hatten die Möglichkeit nach den neun obligatorischen Schuljahren ein 10. Schuljahr für die Vorbereitung an eine weiterführende Schule oder eines speziellen Berufswegs anzufügen.

Das Lernen ausserhalb der Schulräume war fester Bestandteil des Curriculums. Menschen mit speziellen (Berufs-)Erfahrungen und (Berufs-)Leidenschaften wurden in die Schule eingeladen. Regelmässige Bildungsreisen führten die Schüler über die Landesgrenze hinaus in neue Sprach- und Kulturregionen.

Die Scuola Vivante bildete mit ihren festen und freien Mitarbeitenden ein vielseitiges Team, das die Jugendlichen kompetent und zielgerichtet in ihren Zukunftsplänen unterstützte. Von allen – Lehrpersonen und Schülern – wurde erwartet, dass sie sich auf ihre eigene Persönlichkeit einlassen, ihre Talente leben und den Mut haben, ihren ganz individuellen Lebensweg zu gestalten.

Stufenziele der Sekundarstufe 1

Oberstufenjugendliche der Scuola Vivante wissen nach Beendigung ihrer Schulzeit, was Lernen ist. Sie können sich auf eine weiterführende Schule vorbereiten, sie können Erfolge feiern und aus Niederlagen neuen Mut schöpfen. Sie habe alle Voraussetzungen, die sie für den Schritt in den nächsten Lebensabschnitt brauchen, sie sind lebenstüchtig, offen, zukunftsmutig und wissen, wie sie sich die fehlenden Fertigkeiten aneignen können. Sie kennen die Weltreligionen, freuen sich über die Vielfalt der Kulturen, haben sich Gedanken über die eigene Religiosität gemacht und eine vertrauensvolle Verwurzelung für ihren weiteren Weg gefunden.

Die Jugendlichen sind bereit, sich mutig und respektvoll für eine positive Weiterentwicklung der Gesellschaft einzusetzen. Sie sind sich der Chance bewusst, in den Genuss einer umfassenden Bildung gekommen zu sein und werden selbst zu fördernden Menschen in ihrem Umfeld.

Sie haben gelernt, sich Hilfe zu holen und sich auf differenzierte Art und Weise auszudrücken. Sie können sich fliessend auf Englisch und Französisch unterhalten und freuen sich an allen weiteren Fremdsprachen. Sie sind aufrecht. Durch ihr grosses Allgemeinwissen sind sie interessante Gesprächspartner.

 

„Jeder Robben zählt“ Ein Projekt der Oberstufe der Scuola Vivante zum Schutz der vom Aussterben bedrohten Mittelmeer-Mönchsrobben, 2018

Mit ausserordentlichem Engagement sammelten die SchülerInnen der Sekundarstufe Geld für dieses Projekt der griechischen Organisation „Archipelagos“  und teilten auf ihrem Blog  ihr angeeignetes Wissen mit der Bevölkerung. Kefalonia Vivante

Pantsula Dance, Tele Vivante 2015, Sekundarstufe 1

Freizeitangebot Brütwerk

Das Brütwerk bietet Kindern und Jugendlichen, die den Wunsch haben, ihre erfinderischen und gestalterischen Talente zu entdecken und weiter zu entwickeln, eine universelle, sorgfältig eingerichtete und begleitete Tüftelwerkstatt. Sie ist am Mittwoch- und Samstagnachmittag sowie zu Ferienkursen für alle Kinder und Jugendliche ab ca. 9 Jahren geöffnet. Eine Grundausstattung von Werkzeugen und Materialien, sowie technischen und künstlerischen Werkmitteln erlauben ein übergreifendes Arbeiten. Hier können eigene Ideen und Projekte umgesetzt werden.

Die Kinder und Jugendlichen werden von Fachpersonen aus dem Brütwerk-Team nach den Grundsätzen der Scuola Vivante technisch, gestalterisch und pädagogisch begleitet. Die Handhabung von Maschinen und Werkzeugen werden in einem obligatorischen Einführungskurs vermittelt.

Bei gestalterischen Fragen oder Materialproblemen lernen die TüftlerInnen durch Experimentieren und Ausprobieren selber zu entscheiden und Lösungen aufzuspüren. Misserfolge und Fehler gehören zum Gestaltungsprozess und sind wichtige Lernerfahrungen. Bei grösseren Hindernissen macht sich jemand aus dem Team gemeinsam mit den Fragenden auf die Suche zu einem oder mehreren Lösungswegen.

Das intensive Brüten über ein aufgetauchtes Problem fördert die Ausdauer, an Problemlösungen zu arbeiten. Es weitet die eigenen Grenzen. Gefundene Lösungen stärken das Vertrauen in eigene Ideen und Wahrnehmungen. Das gemeinsame Tüfteln und der gegenseitige Austausch fördern die sozialen Kompetenzen.

Tüfteln führt in die typische Arbeitsweise von Kunst, Wissenschaft und Technik ein.

www.bruetwerk.ch

Wekstatt-Einführung
Bevor im Brütwerk selbstständig gearbeitet werden kann, muss ein Einführungskurs besucht werden. Darin lernen die angehenden Tüftlerinnen und Tüftler die Regeln der Werkstatt kennen. Sie erhalten eine erste Schulung in der Handhabung von Maschinen und Werkzeugen und einen Einblick in die Verarbeitung verschiedener Materialien.
Für den Einführungskurs wird ein Kursgeld erhoben.

Freier Tüftelbetrieb
Nach dem Besuch des Einführungskurses steht das Brütwerk offen, die eigenen Ideen und Projekte umzusetzen. Nachdem der Plan gezeichnet und die Umsetzungsidee mit dem Tüftelbegleiter besprochen ist, geht es an die konkrete Arbeit. Der Besuch des Brütwerks beruht auf Freiwilligkeit.
Der Tüftelbetrieb wird über Stiftungen und die öffentliche Hand finanziert. Es werden nur die Materialkosten verrechnet.

Impulse und Kurse
Impulse sind Einführungen in ein neues Thema oder in einen neuen Arbeitsbereich. Die teilnehmenden Kinder erhalten darin die Möglichkeit ihren Horizont zu erweitern.
In Kursen lernen die Tüftler neue Techniken kennen und nutzen diese, um ein eigenes Projekt zu verwirklichen. Die Tüftelkompetenz steigt.
Es wird ein Kursgeld erhoben.

Repair Café
Zweimal pro Jahr wird das Brütwerk für das Repair Café der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt.
Repair Café ist: gemeinsam kaputte Sachen reparieren, fachkundige Beratung, Kaffee und Kuchen, nette Begegnungen und viel Inspiration. 

Schweizer Schulpreis

Die Scuola Vivante nahm im Jahr 2013 an der Ausscreibung für den Schweizer Schulpreis teil. Für die Wettbewerbseingabe nahmen wir als Schule zu folgenden fünf Qualitätsbereichen Stellung:

Leistung
Umgang mit Vielfalt
Unterrichtsqualität
Verantwortung
Schulklima, Schulleben, ausserschulische Partner
Schule als lernende Institution

Das Bewerbungsdossier entstand in enger Zusammenarbeit von Team, SchülerInnen, Eltern, Ehemaligen und Schulleitung.
Nach Studium unserer Unterlagen wählte die Experten- und Jurykommission des Schweizer Schulpreises aus den rund 800 eingegangenen Bewerbungen 18 Finalisten aus, die jeweils von fünf Mitgliedern besucht und beurteilt wurden. Hier im folgenden PDF der Besuchsbericht der Experten- und Jurymitglieder vom Schweizerischen Schulpreis 2013, aufgrund dessen die Scuola Vivante im Dezember 2013 den Schweizer Schulpreis gewann.

(Die Namen der Kinder und Jugendlichen sind geändert.)

Expertenbericht Schweizer Schulpreis (PDF)

Bewerbungsdossier Schulpreis 2013

Dépôt de candidature – Prix suisse des écoles 2013

Richiesta-Premio-scolastico-svizzero-2013

Auszeichnungen, Awards und Einladungen

Eine Auswahl an  den aktuelleren) Auszeichnungen und Einladungen der 28 Schulentfaltungs-Jahre

Auszeichnungen und Preise

Zertifikat UNESCO-assoziierte Schulen (ASPnet), 2010

Geo-Preis der Artenvielfalt für die Projektarbeit im Ruggeler Riet, 2010

Lissa-Preis 2010, Anerkennungspreis für die Förderung von Kindern mit Hochbegabung für den Lernraum Brütwerk

Schweizer Schulpreis 2013

Eduki –Preis „Wasser für alle“ Agenda 2030, im Palais de Nation in Genf, 2016

Auszeichnung des Brüwerks mit dem Sonderpreis der Donum Vogt Stiftung „Für besonderes Engagement“, Vaduz, 2016

 

Einladungen

UNESCO week of peace in Ottawa, März 2017, Podiumsteilnehmer und Workshop der Scuola Vivante

Tagung „Bildungsagenda 2030“, Bern, Juni 2017, Podiumsteilnehmer

Festival Beyond the Border, Griechenland, August 2017,Podiumsteilnahme

Silafest, Serbien, August 2017, Podiumsteilnahme

Einladung an die TeesNet Konferenz Liverpool Hope University, September 2017, “Making the Sustainable Development Goals Real”, Workshop der Scuola Vivante

 

Film Vivante Productions
„Mare Nostrum – Ein Konzert. Eine Reise.“
Ein Film von Stefan Haupt und Michelle Brun

www.marenostrum-film.ch

Awards 2017/2018
TOURA D’OR, Berlin
WHITE ACACIA  „BEST ORIGINAL SCORE“, SILAFEST Veliko Gradiste, Serbia
BE
ST DOCUMENTARY August Winner, ARFF BARCELONA
ART&TUR Festival BEST MUSIC and ART, Vila Nova de Gaia, Portugal

TORRES CATALUNYA FESTIVAL, Documentary, Adventures, Expeditions and Rotes,Tortosa, Spanien

Official Selection 2017/2018
International Documentary Festival BEYOND THE BORDER, Castellorizo -Greece
ARFF BERLIN-AMSTERDAM-BARCELONA-PARIS
CANNES CORPORATE Media & TV Awards, Cannes, France
BAKU International Cinema Festival, Baku, Azerbaijan
MedFF Mediterranean Film Festival, Syracusa, Italy
Docs Without Borders Film Festival, Nessau, USA
Near Nazareth Festival, Israel
VACIF Vancouver Alternative Cinema Festival, Canada
Best Independent Film Festival, Germany
Move Me Productions Belgium Film Festival, Belgium

INSPIRED FAITH FILMFESTVAL, Atlanta, USA
OUCHY FILM AWARDS, Lausanne, Schweiz